
Rund 50% aller Menschen geben an, sie seien „wetterfühlig“. Jedem ist sofort klar, was damit gemeint ist. Beim Versuch, dieses Phänomen klarer zu fassen, stellen sich jedoch gleich einige schwer zu beantwortenden Fragen:
Was ist Wetterfühligkeit?
Grundsätzlich werden darunter Symptome verstanden, die mit dem Wetter zusammen hängen.
Dies sind vor allem:
• Kopfschmerzen oder Migräne
• Abgeschlagenheit
• Benommenheit
• Müdigkeit
• Schlafstörungen
• Gelenk- oder Muskelschmerzen
• Gereiztheit
• Konzentrationsstörungen
• Nervosität

Bestimmt Wetterlagen werden häufig mit diesen Beschwerden in Zusammenhang gebracht. Eindeutig ist, dass extreme Hitze und Feuchtigkeit zu einer eindeutigen Beeinträchtigung der Gesundheit führt: Besonders eindruckvoll konnte man das bei Hitzeperiode im Sommer 2003 feststellen. Hier kam es zu einer deutlich erhöhten Sterblichkeit in der Bevölkerung.
Der Zusammenhang zeigt sich auch in den „normalen“ Jahren. Bis zu 25% steigt die Sterblichkeit an, wenn hohe Temperatur mit Windstille gepaart ist, so eine Studie in Baden-Württemberg zwischen den Jahren 1968-1997.
Eine andere typische Wetterlage: Ein Tief zieht vom Westen heran. Es wird feucht und warm, die Bewölkung nimmt zu. Viele Menschen empfinden dies als unangenehm und reagieren mit Symptomen wie Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit.
Dann ist das Tief durch und es wird nass-kalt. Das ist nun vor allem für Menschen mit Gelenkschmerzen, Fibromyalgie und Blutdruckproblemen belastend.
Wenn Sie die obigen Beschwerden lesen und sonst auch dieser Website gesurft sind, dann kommen Ihnen die Beschwerden wahrscheinlich irgendwie vertraut vor. Sind das nicht die gleichen Symptome, die z.B. beim Reizdarm, bei der Fibromyalgie oder dem CFS-Syndrom vorkommen? - Sie sind es!
Wetterfühligkeit ist also kein spezifisches Symptom sonder ein unspezifisches Krankheitsbild, bei dem die vegetative Regulation gestört ist. Dem entsprechend vielgestaltig ist auch die Symptomatik.

Wenn Sie das Biowetter in der Zeitung lesen, dann fällt Ihnen möglicherweise auf, das klingt irgendwie „schwammig“.
Die Warnhinweise betreffen immer wieder die gleichen Krankheitsgruppen: Asthmatiker, Herzkranke, Menschen mit niedrigem oder hohem Blutdruck, Allergiker, Migränepatienten, Kinder, Alte...
Geht das nicht präzise: Heute steigt der Blutdruck. Morgen bekommt man leichter Kopfschmerzen!
Das geht nicht: Denn die Einflüsse sind absolut unspezifisch. Sie stören die körpereigenen Regulation ganz allgemein und das kann zu einer Vielzahl von Beschwerden führen.
Menschen mit einem labilen Vegetativum sind häufiger betroffen. Wer dagegen einen felsenfesten Schlaf hat, morgens regelmäßig pünktlich zur Toilette geht, wem Blutdruckschwankungen fremd sind, der wird auch kaum unter Wetterfühligkeit leiden.
Besonders wenn es feucht und heiß ist, dann leiden viele Menschen unter vermehrten Wassereinlagerungen (med.: Ödeme). Diese Schwellungen sind teils als unangenehme Spannungen fühlbar, teils kann man sie an Händen, Füßen und im Gesicht auch sehen.
In dieser Zeit fühlt man sich nicht nur unwohl, viele Menschen leiden dann auch unter vermehrten Schmerzen in Muskeln und Gelenken.

Offenbar spielt nicht nur die objektiv messbare Temperatur der Luft eine Rolle. Entscheidend ist die „gefühlte Temperatur“, also die Temperatur, wie wir sie subjektiv wahrnehmen. Der Unterschied: hier gehen noch die Luftbewegung, die Strahlungswärme, die Bekleidung, die Tätigkeit und andere Faktoren mit in die Berechnung mit ein.
Diese „gefühlte Temperatur“ ist also noch genauer als der bekannte „wind-chill-factor“, der nur die Luftbewegung berücksichtigt. (Bei einem kräftigen Wind von 6 Windstärken und 0°C empfinden wir dies wir -17°C!)
Es scheint so eindeutig zu sein: Wenn das Wetter umschlägt, wenn es feucht und schwül ist, wenn es eklig kalt ist, dann geht es uns schlecht. Aber leider lässt sich das nicht so einfach exakt fassen.
Die Wissenschaft tut sich mit der Wetterfühligkeit schwer.
Hier einige der wahrscheinlichsten Erklärungsansätze für das Phänomen:

Druckschwankungen der Atmosphäre. Erwachsene haben eine Hautoberfläche von ca. 2 Quadratmetern. Das entspricht 20.000 Quadratzentimetern. Auf jedem einzelnen dieser Quadratzentimetern lastest ein Druck von 1 kg! D.h. zusammengerechnet lastet ein Druck von 20 Tonnen auf jedem von uns.
Zum Glück merken wir davon nichts, da der Druck innen wie außen gleich ist. Wir schwimmen in der Luft wie ein Fisch im Wasser!
Wenn der Druck sich ändert, können Druckschwankungen von einer halben Tonne auftreten. Sind wir gesund, merken wir wenig. Ist unsere Regulationsfähigkeit jedoch eingeschränkt, kann das unseren Kreislauf belasten.
Trifft ein Hoch- auf ein Tiefdruckgebiet können "Schwerewellen" also niederfrequente Luftdruckschwankungen auftreten. Liegen die Frequenzen zwischen 4 und 20 pro Minute, dann beeinträchtigt dies einige Menschen ganz besonders.
Eine Überlegung geht davon aus, dass insbesondere unseren „Barorezeptoren“, das sind die Druckfühler in der Halsschlagader, besonderes bei solchen Druckschwankungen abverlangt wird. Möglicherweise gibt es Menschen, die besonders empfindliche Barorezeptoren besitzen. Vergleichbar wäre das mit dem Fibromyalgie Syndrom, bei dem es ganz generell zu einer Absenkung der Schwelle kommt.
Fehlende Anpassung führt dann zu Schwindel, Benommenheit, Anstieg oder Abfall des Blutdrucks mit entsprechenden Folgen.
Neben den starken Schwankungen des täglichen Drucks könnten auch schnellere Druckwellen für die Beschwerden verantwortlich sein. Diese entstehen, wenn verschieden Luftmassen aneinander vorbei strömen. Sie geraten in Schwingungen und es entstehen Wellen wie auf einer Wasseroberfläche.

Durch Schwankungen der Temperatur wird jedoch auch einiges von unserer Regulation der Körpertemperatur verlangt.
Unser Körper befindet sich in einem andauernden Prozess der Anpassung, bei dem Produktion und Abfuhr von Wärme beständig kontrolliert werden muss. Wir erzeugen beständig Wärme und benötigen gleichzeitig eine bestimmte Körpertemperatur für unser Wohlbefinden.
Durch vermehrte Arbeit, durch Wärmezittern, durch ein Abkühlen der Haut oder warme Kleidung können wir diese erhöhen. Durch ein öffnen der Hautgefäße, Schwitzen oder leichte Kleidung kann sie gesenkt werden.
Beide Prozesse werde beständig engmaschig geregelt.
Dabei ergibt sich eine Besonderheit: Mit Kälte kommen wir vergleichsweise gut zurecht, mit Wärme nur bedingt.
Noch bei einer Körpertemperatur von 17°C (!) kann der Mensch überleben. Also einer Absenkung um 10°C. Aber bei einer Steigerung um 5°C auf 42°C wird es bereits lebensgefährlich.
Dementsprechend sind Hitzewellen, vor allem gepaart mit Feuchtigkeit, geringer Windgeschwindigkeit und direkter Sonneneinstrahlung eine Gefahr, weil wir jetzt unsere überschüssige Wärme schlecht abführen können.

Haben Sie schon einmal eine Gewitter kommen gefühlt? Wenn ja, haben müssen Sie keine parapsychologischen Kräfte zu haben.
Gewitter lösen schwache elektromagnetische Impulse aus („Sferics“), die von empfindsamen Menschen registriert werden können, so das Ergebnis von EEG-Forschungen.
Solche Signale können Sie ganz einfach mit einem Radio feststellen. Sie verursachen (besonders im Bereich der Mittel- und Langweile) das unangenehme Knistern und Knacken.
Ob diese Signale für die Wetterfühligkeit verantwortlich sind, das wird sich erst noch zu zeigen haben. Zumindest an einzelnen Probanden konnten die Auswirkungen der Sferics im EEG nachgewiesen werden, wenn diese auch keine Symptome (Migräne, Kopfschmerzen) verursachten.
Die Antwort heißt leider immer noch: wie wissen vieles aber wir wissen es nicht genau! Wahrscheinlich kommen eine Fülle von Wettereinflüssen (Temperatur, Feuchtigkeit, Sferics, Druckschwankungen, UV-Strahlen, Infrarotstrahlen) aber auch Pollenflug und Umwelteinflüsse zusammen.
Auf der anderen Seite steht die individuelle Empfindlichkeit. Wer kerngesund ist und kaum vegetative Beschwerden (Frieren, Schwitzen, Benommenheit, Schwindel, Blutdruckschwankungen usw.) kennt, der nur selten unter dem Wetter leiden.
Anders jedoch Menschen, die unter Krankheiten leiden, die hier auf diesen Seiten beschrieben sind: Fibromyalgie, Reizdarm, CFS, Schlafstörungen, Heißhunger, Schwindel usw.
Diese Personen sind anfälliger, da sie in der Regel eine gesteigerte Empfindlichkeit auf Außenreize aufweisen, d.h. die Reizschwelle ist abgesenkt.

Was soll man also tun, wenn man in den Nachrichten von einem belastenden Biowetter hört?
Sich schonen und ins Haus zurückziehen?
Ja und nein! Sicherlich ist es nicht vernünftig bei feucht-heißem Wetter die Laufschule zu schnüren. Es kann durchaus sinnvoll sein, sich dann eher zurück zu ziehen. Dabei gilt bei heißem Wetter:
• Vor allem sehr viel Trinken. Am besten Wasser oder Mineralwasser.
• Da man beim Schwitzen viel Salz verliert, kann das Essen stärker gesalzen werdne.
• Alkohol ist ungünstig, da es die Blutgefäße zu stark erweitert und den Blutdruck zusätzlich senkt.
• Kaltes Fuß- oder Armbad. (Vorsicht in der Badewanne besteht Rutschgefahr!)
• Natürlich sollte man richtig lüften („Querlüften“) und keine dauernde Zugluft entstehen lassen. Am besten ist das Lüften morgens und abends außerhalb der Hitzezeiten!
• Spazieren gehen sollte man Allergiker in der Stadt am Morgen und auf dem Land am Abend, dann ist die Pollenlast der Luft am geringsten.
• Pfefferminze hat einen kühlenden Effekt: Als Tee, als Öl und auch die Blätter.

Ist die Hitzeperiode vorbei, sollte man sich vorbereiten. Dabei heißt die Devise vor allem: Abhärten. Man kann den Umgang mit Hitze lernen! Man sollte also die Herausforderung annehmen und nicht versuchen vor dem Klimabelastung zu fliehen.
Hierzu sollte man auf die altbewährten Verfahren vertrauen:
• Wechselduschen
• Sauna
• Kneipp-Anwendungen
• Spaziergänge im Freien bei jedem Wetter
• Fitnesstraining und Bewegung
• Gesunde Ernährung
• Ausreichend Schlafen
• Richtig Entspannen lernen
Das klingt vielleicht banal – ist es aber nicht!
Wer tatsächlich unter dem Wetter so leidet, dass die Lebensqualität eingeschränkt ist, der kann jedoch auch mehr tun.
Dem Wetter kann man nicht aus dem Weg gehen und die meisten Menschen können auch schlecht das ganze Jahr auf den kanarischen Inseln verbringen .
Also heißt die Devise: Training! Es geht also darum, die vegetative Regulationsbreite des Körpers zu erhöhen. Kurz, den Körper an die Schwankungen von Luftdruck, Temperatur usw. zu gewöhnen. Früher nannte man das etwas brutal „Abhärtung“.

Das Grundprinzip ist das Training der großen Regulationsachsen.
Besonders wichtig ist dabei die Wärme-Kälteregulation. Hier führen wir meist ein Wechsel aus Wärme- und Kälteanwendungen durch. D.h. Patienten wärmen sich in der Infrarotkammer auf (+70°C) und wechseln dann unmittelbar in eine Kältekammer (-80°C). Durch diesen Wechsel wird die Wärme-Kälteregulation maximal trainiert.
Der Magen-Darm-Trakt mit seinen rund 100 Millionen Neuronen ist einer der zentren der vegetativen Regulation. Liegen hier Reizungen vor, so nimmt die Anfälligkeit für Regulationsstörungen zu. Hier führen wir mit unseren Patienten einen Nahrungsaufbau durch.
Schlafhygiene: Kaum ein einzelner Faktor spielt für das Wohlbefinden und die innere Regulation eine größere Rolle, wie der erholsame gesunde Schlaf. Hier messen wir die tatsächliche Schlafqualität und leiten gezielte Verbesserungsmaßnahmen ein.
Körperliches Training: viele Patienten können aus vielerlei Gründen nicht aktiv trainieren. Wir setzen hier auf ein spezielles Trainingssystem (Galileo 2000), das in kurzer Zeit hohe Trainingseffekte bewirkt.
Massagen: Auch der Hautkontakt spielt für das Wohlbefinden eine bedeutsame Rolle. Je nach Beschwerden setzen wir verschiedene Verfahren ein.